creditshelf magazin
Nº09 | Juni 2020
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Impulse von allen Seiten

„Wir möchten Mittelständler ganzheitlich fördern. Das heißt für uns auch, typische Partner der KMU wie eben Hausbanken ganz gezielt bei der Lösungsfindung für ihre Kunden zu unterstützen.“

Sebastian Seibold 
Head of Business Development der 
creditshelf AG


Der Markt für Finanzierungsdienstleistungen wird von seinen Akteuren immer mehr als Ökosystem begriffen. Also: Ein natürlich wachsendes und sich weiterentwickelndes Umfeld aus Anbietern, die sich vernetzen, miteinander interagieren und feste Kooperationen eingehen. Dieser Gedanke treibt auch die creditshelf AG an. Das junge Fintech sieht sich nicht als Konkurrent klassischer Banken, sondern als deren aktiver Partner. „Wir möchten Mittelständler ganzheitlich fördern. Das heißt für uns auch, typische Partner der KMU wie eben Hausbanken ganz gezielt bei der Lösungsfindung für ihre Kunden zu unterstützen“, sagt Sebastian Seibold, Head of Business Development bei creditshelf. Es gehe darum, die Unternehmer dort abzuholen, wo sie mit ihrem individuellen Bedarf auf dem gewohnten Weg nicht weiterkommen.Die Zusammenarbeit mit der Commerzbank

Um Mittelständler und deren Partner noch effektiver zu unterstützen, vernetzte sich creditshelf im Sommer 2019 mit der Commerzbank. Auf Seiten der klassischen Finanzinstitution hatte man die Vorteile solcher Kooperationen längst erkannt und war dementsprechend offen. „Grundsätzlich stehen wir der Zusammenarbeit mit Fintechs sehr positiv gegenüber und sind in den letzten Jahren eine Vielzahl an Partnerschaften eingegangen“ sagt Andreas Weerth, Niederlassungsleiter der Commerzbank in Freiburg. In seinem Haus betrachtet man Kooperationen wie die mit creditshelf als pragmatische Erweiterung des eigenen Leistungskatalogs. „Wir können unsere Kunden so noch besser bei der Wahl der passenden Finanzierung unterstützen. Die Kreditnehmer profitieren von einem verlässlichen Fremdkapitalgeber, einer individuellen Lösung und zugleich von unserer Expertise. Denn selbstverständlich begleiten wir als vertrauter Ansprechpartner Kunden über den gesamten Finanzierungsprozess hinweg“, sagt Weerth.

Kooperationsmodelle à la creditshelf

Bei creditshelf möchte man den klassischen Banken die Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Fintech erleichtern und diese so effektiv wie möglich gestalten. Deshalb haben Sebastian Seibold und sein Team drei Ansätze für die gemeinsame Arbeit mit den etablierten Häusern entwickelt.

Erstes Szenario: Manche Banken können bestimmte Kunden aufgrund geringen Eigenkapitals oder hoher potenzieller Risiken nicht bedienen. In diesen Fällen bietet creditshelf Lösungen. Dabei behält die Bank ihren – oft langjährigen – Kunden und kann sein Finanzierungsbedürfnis bedienen, indem sie ihm eine externe Alternative anbietet. Dabei bleibt die Bank Servicer für den Kunden und erhält zudem eine Provision.

Die zweite Option ist das sogenannte Lending-as-a-Service-Prinzip. Es basiert darauf, dass für viele Banken die Kreditvergabe an KMU nicht mehr das Kerngeschäft ist. Doch, statt den Geschäftsbereich gänzlich aufzugeben, kann dieser vollständig in die creditshelf-Technologie überführt und darin abgewickelt werden. Damit ist die Bank künftig ohne großen eigenen Aufwand in der Lage, Kredite zu vermitteln.

Der dritte Ansatz richtet sich an ausländische Banken, die in Deutschland Kreditgeschäfte tätigen möchten, aber die Kosten für eigene Niederlassungen hierzulande scheuen. Diese können die Plattform und die Kreditprojekte von creditshelf nutzen.

Blick für Innovationen

Nicht nur der junge Fintech-Pionier, auch die etablierte Commerzbank agiert als Vordenker und Impulsgeber. Man betreibt beispielsweise die Forschungs- und Entwicklungseinheit „main incubator“, um nah dran an den Zukunftstechnologien und -themen der Finanzindustrie zu sein. „Der main incubator ist die Innovationsschmiede unseres Konzerns. Er scannt u.a. stetig den Finanzierungsmarkt nach Trends und Ideen und prüft, welche einen konkreten Mehrwert für unser Haus oder unsere Kunden haben. Über Kooperationen erschließen wir uns und unseren Kunden dann diese innovativen Lösungen“, erklärt Andreas Weerth. Über die Hälfte der Start-up-Lösungen, in die der main incubator investiert hat, würden in der Bank konzernweit genutzt.Spezialisierung verlangt Kooperation

Die Experten der Commerzbank sehen durch die rasante Entwicklung am Finanzierungsmarkt und die gestiegenen regulatorischen Anforderungen eine starke Tendenz und Notwendigkeit zur Spezialisierung bei vielen Kreditanbietern. Man gehe von einer Konzentration auf bestimmte Branchen, Risikoprofile und Produkte aus. Daher verfolgt das Kredithaus eine klare digitale Strategie: „Unser Bestreben ist es, wo nötig und möglich, Kunden eine Alternative aufzuzeigen. Dazu schauen wir uns neue digitale Angebote sehr genau an. Dies geschieht zum Beispiel auch über unsere Tochter #openspace als Digitalisierungsplattform. Bestehen eine gemeinsame Schnittmenge und lohnende Synergien, bemühen wir uns um Austausch und Kooperation“, sagt Andreas Weerth.

Bei creditshelf sieht man das ganz ähnlich. „Die creditshelf AG ist nicht nur ein Pionier in der Mittelstandsfinanzierung. Wir sehen uns zugleich auch als Inputgeber und Förderer eines Netzwerks aus KMU, Investoren, Beratern und etablierten Finanzinstitutionen. Im Rahmen dieser ‚Biosphäre‘ möchten wir nachhaltig agieren und ein Zeichen dafür setzen, wie man in der Finanzierungsbranche gemeinsam vorankommen kann – zum Nutzen aller“, erklärt Sebastian Seibold.