creditshelf magazin
Nº10 | Sep 2020
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Friendsurance digitalisiert die Versicherungsbranche

„Startups bekommen oft Finanzierungen durch Business Angels und Venture-Capital-Fonds, aber nur selten Darlehen – schon gar nicht in Zeiten von Corona.”

  Tim Kunde  
Mitgründer und Geschäftsführer von 
Friendsurance 

Friendsurance ist aufgrund des starken Wachstums nun in einer Position, wo nicht zwingend weiteres Eigenkapital zur Finanzierung benötigt wird, sondern sukzessive Fremdkapital den Finanzierungsbedarf decken kann."

  Florian Weinkauf  
Senior Firmenkundenbetreuer Innovations- und Wachstumsfinanzierung bei 
creditshelf AG


Haftpflicht-, Hausrat- und Kfz-Versicherung, Rechtsschutz, Berufsunfähigkeitsversicherung und noch viele andere Verträge: Wer verliert bei all den Formularen und Dokumenten nicht schnell einmal die Übersicht? Das Berliner Unternehmen Friendsurance ist angetreten, um Versicherungen kundenfreundlicher zu machen. Kunden können ihre Versicherungsverträge einfach, übersichtlich und papierlos im Nutzer-Konto verwalten und sich umfassend beraten lassen. Doch damit nicht genug: Das Berliner Insurtech hat 2010 das weltweit erste Peer-to-Peer-Versicherungsmodell auf den Markt gebracht, das Schadensfreiheit mit einem Bonus belohnt. Mittlerweile nutzen weltweit rund 150.000 Kunden Friendsurance.

Friendsurance unterstützt verstärkt B2B-Kunden

Neben seinen Lösungen für Verbraucher bringt das Berliner Unternehmen seit 2017 auch die Digitalisierung von Versicherungsgeschäften für Banken und Versicherer voran. Dafür wurde eigens die Marke Friendsurance Business ins Leben gerufen. „Banken und Versicherer geraten zunehmend unter Druck, ihre Kunden zu binden und sich neue Erlösquellen zu erschließen. Digital Bancassurance bietet ihnen die Chance, ihren Kunden relevante digitale Services anzubieten und gleichzeitig ihre Renditen zu steigern”, erklärt Tim Kunde, Mitgründer und Geschäftsführer von Friendsurance. Das Berliner Insurtech stellt sein Angebot dabei als neutrales White Label zur Verfügung. So können beispielsweise Banken ihren Kunden das System als eigene Lösung anbieten, mit der diese auf dem jeweiligen Onlineportal Verträge einsehen, verwalten oder Konditionen anpassen können. Das erspart den Häusern viel Zeit und Ressourcen, die in die Entwicklung eigener Bancassurance-Lösungen geflossen wären. „Oft steckt Friendsurance hinter einem digitalen Angebot einer Bank, ohne dass es die Endkunden wissen. Mit diesem digitalen Geschäftsmodell ist Friendsurance definitv am Nabel der Zeit“, sagt Florian Weinkauf. Er ist Senior Firmenkundenbetreuer bei creditshelf und hat im Rahmen des Kreditprozesses intensiv mit Friendsurance zusammengearbeitet.

Corona-Krise stärkt Bedürfnis nach digitalem Angebot

Wie sehr sich die Verbraucher kundenfreundliche digitale Systeme wünschen, hat kürzlich eine repräsentative YouGov-Umfrage gezeigt. Danach möchten 52 Prozent der Deutschen ihre Versicherungsverträge gern direkt via Onlinebanking einsehen, verwalten und optimieren. Die Corona-Krise hat hier, wie in vielen anderen Bereichen, als zusätzlicher Treiber gewirkt: Wer bereits vor Corona digitale Bank- und Versicherungsangebote nutzte, will dies künftig noch häufiger tun – knapp jeder Zehnte aus der entsprechenden Gruppe bestätigte gegenüber YouGov dieses Vorhaben. Das durch die Pandemie zusätzlich gewachsene Bedürfnis bekommt man bei Friendsurance merklich zu spüren: „Der zunehmende Bedarf auf Kundenseite spiegelt sich auch in der steigenden Anzahl von Anfragen zu digitalen Versicherungslösungen wider, die von Versicherungsunternehmen und Banken an uns herangetragen werden”, sagt Tim Kunde. Nach Gründung der eigenen Marke für den Bancassurance-Bereich und der Entwicklung digitaler Versicherungsmanager beispielsweise für die Deutsche Bank und die R+V Versicherung, möchte das Berliner Unternehmen in diesem Bereich künftig weiter stark wachsen.

 Zwei digitale Pioniere finden zusammen

Wachstum ist für junge digitale Unternehmen jedoch kein leichtes Unterfangen. „Der Markt für die Finanzierung technologiebasierter Wachstumsunternehmen ist begrenzt. Banken tun sich hier schwer. Sie fürchten das Risiko, zudem arbeiten manche solcher Scale-ups noch nicht profitabel, auch wenn sie über starken Shareholdersupport verfügen“, sagt Florian Weinkauf. Der Kontakt zu Friendsurance kam durch das creditshelf-Netzwerk zustande. In der Vergangenheit hatte das Frankfurter Fintech immer wieder wachsende Firmen auf ihrem Weg in die nächste Unternehmensphase unterstützt. Seit Anfang des Jahres geht man nun offensiv auf den Markt des sogenannten Venture Debt – des institutionellen Wagniskapitals – zu. Da passte das Berliner Insurtech genau ins Profil. „Friendsurance ist aufgrund des starken Wachstums nun in einer Position, wo nicht zwingend weiteres Eigenkapital zur Finanzierung benötigt wird, sondern sukzessive Fremdkapital den Finanzierungsbedarf decken kann”, so Florian Weinkauf. Doch trotz innovativen Geschäftsmodells, Rückendeckung durch Investoren und guter Marktaussichten, kann es schwierig für ein wachsendes Unternehmen sein, an eine geeignete Fremdfinanzierung zu gelangen. „Startups bekommen oft Finanzierungen durch Business Angels und Venture-Capital-Fonds, aber nur selten Darlehen – schon gar nicht in Zeiten von Corona. Im ersten Quartal 2020 haben sich die Investitionen in Insurtechs weltweit halbiert. Dass wir über creditshelf so schnell eine Finanzierung bekommen haben, zeigt, wie überzeugend und solide unser Geschäftsmodell ist“, sagt der Friendsurance-Geschäftsführer. Diese Einschätzung teilt auch Florian Weinkauf: „Das Unternehmen besitzt ein großes Marktpotenzial, hat bereits mehrere Finanzierungsrunden erfolgreich abgeschlossen und wächst atemberaubend. Damit ist es ein top Kandidat für die von creditshelf vermittelte Wachstumsfinanzierung.“ Zuvor hatte sich der Experte intensiv mit dem Unternehmen auseinandergesetzt, mit dem creditshelf-Team die Unternehmenszahlen ausgewertet und coronabedingt in gemeinsamen Video-Konferenzen mit Friendsurance verhandelt. Der Dialog sei sehr angenehm und konstruktiv gewesen. Es hätte im Vergabeprozess bei Rückfragen immer eine unmittelbare Reaktion und Zuarbeit seitens des Kunden gegeben. Dadurch konnte man sich schnell einigen und das Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Euro wurde nach nur knapp vier Wochen ausgezahlt.

Fremdkapital erhält Unabhängigkeit

In Berlin freut man sich über den vermittelten Firmenkredit. „Mit dem frischen Kapital wollen wir in unserer Digital-Bancassurance-Sparte auf dem deutschen Markt und auch international weiterwachsen”, sagt Tim Kunde. Da creditshelf selbst ein junges digitales Unternehmen ist, kennt man sich hier mit Themen, wie sie Friendsurance und andere Scale-ups beschäftigen, gut aus. Das Team weiß, wie entscheidend es ist, in dieser Phase an Fremdkapital zu gelangen. Denn für bestehende Investoren und die Entwicklung des Unternehmens ist Unabhängigkeit ein wichtiger Punkt: Neue Eigenkapitalgeber hingegen wollen immer Anteile an einer Firma und Mitspracherechte. „Uns war es wichtig, auch in dieser Phase keine strategischen Investoren wie Banken oder Versicherer mit an Bord zu nehmen, um unsere Unabhängigkeit zu bewahren“, so Tim Kunde zu den Gründen für die Fremdfinanzierung. Geht es um Wachstum, sind auch die Fragestellungen in der Risikoprüfung andere als bei gewöhnlichen Krediten – das Geschäftsmodell muss verstanden und bewertet werden. Dafür hat credishelf ein Konzept entwickelt, das in diesem komplexen Bereich individuelle, schnelle und transparente Lösungen ermöglicht. Der an Friendsurance vermittelte Kredit ist auch in anderer Hinsicht innovativ: Er ist einer der ersten, den creditshelf für einen neuen Fonds arrangieren konnte, bei dem der europäische Investitionsfonds als Ankerinvestor fungiert.