creditshelf magazin
Nº10 | Sep 2020
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Growth Financing – Wachstum braucht finanzielle Basis

Digitale Dienstleistungen haben durch Kontaktbeschränkungen im Zuge von Corona weiter Aufwind erfahren. Entsprechend besteht bei vielen digitalen Unternehmen großes Wachstumspotenzial. Da klassische Finanzierer gerade junge Unternehmen aus diesem Markt kaum bedienen, blieben bisher meist nur Venture Debt Fonds aus dem angelsächsischen Raum. Doch nun gibt es von creditshelf ein Angebot Made in Germany.

Die Corona-Krise hat viele klassische Branchen wie Reiseanbieter, Hotels oder die Luftfahrt schwer getroffen. In einigen Segmenten ist sie für junge, aufstrebende Unternehmen jedoch auch eine Chance. Gerade digitale Geschäftsmodelle im Bereich E-Commerce, Online-Lieferdienste, Streaming, E-Learning oder in der Online-Kommunikation haben durch die Krise einen regelrechten Aufschwung erfahren.

Denn in Zeiten des Social Distancing blieb in den meisten beruflichen und privaten Fragen nur der Weg über das Internet. Entsprechend stark wachsen viele Unternehmen in diesem Sektor. Besser: könnten stark wachsen. Denn eine positive Unternehmensentwicklung ist kein Selbstläufer, es gibt wichtige Erfolgsfaktoren. „Wachstum ist vor allem eine Frage der richtigen Finanzierung. Denn kaum ein Unternehmen, das 50 oder 100 Prozent im Jahr wächst, kann dies über den eigenen Cashflow realisieren. Auch bei seiner Bank wird ein junges, stark wachsendes Unternehmen in der Regel keine Finanzierung bekommen“, weiß Sebastian Seibold, Leiter Business Development bei creditshelf. Der Finanzierungsmarkt sei in weiten Teilen sehr traditionell und stark reguliert – entsprechend auf Ratings und Risikovermeidung ausgerichtet. Da passe Growth Financing nur schwer ins Bild.

Anbieter können Bedingungen diktieren

Erschwerend kommt die spezifische Bilanzstruktur gerade junger digitaler Unternehmen hinzu. Sie verfügen zwar meist über ein gutes Geschäftsmodell, besitzen jedoch nur wenige Assets. Ohne Halle, Immobilie, Fuhrpark oder Warenlager, die als Sicherheiten fungieren, kann die Bank aber nicht agieren. Also bleibt oft nur die Suche nach geeignetem Venture Capital (VC). Doch für das Wagnis, das diese Eigenkapitalgeber eingehen, möchten sie auch Mitsprache in der Geschäftsleitung und Anteile am Unternehmen. „Je mehr VC-Finanzierungsrunden stattfinden, desto mehr Anteile müssen die ursprünglichen Gesellschafter und die Altinvestoren abgeben – ihr Anteil verwässert, das Unternehmen verliert seine Unabhängigkeit“, so Seibold.

Der Markt hat sich in den letzten Jahren jedoch verändert. Mittlerweile bieten vereinzelt auch Banken und sogenannte Venture Debt Fonds Wachstumsfinanzierungen an. Gerade das Fremdkapital der Letzteren ist allerdings nicht ganz unkompliziert. „Da sie für junge Unternehmen der Digitalökonomie vielmals die einzige Fremdkapital-Option sind, können die angelsächsischen Anbieter hier die Bedingungen diktieren. Es gibt starre und komplexe Verträge auf Englisch, viele Nebenbedingungen – außerdem möchten sich die Fonds oft eine zusätzliche Eigenkapitalkomponente sichern“, gibt Seibold zu bedenken.

Growth Financing auf Fintech-Art

Eine weitere Option für digitale Wachstumsunternehmen bietet das Frankfurter Fintech creditshelf. „Unser Angebot kann man sich ähnlich wie Venture Debt vorstellen. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Bei creditshelf gibt es keinen Equity-Kicker. Wir vermitteln klassisches Fremdkapital, ohne auf Unternehmensanteile oder Mitsprache abzuzielen“, sagt Senior-Firmenkundenbetreuer Florian Weinkauf. Man habe bereits in der Vergangenheit immer wieder wachsende Unternehmen aus dem E-Commerce-oder Software-as-a-Service-Bereich unterstützt und trete nun seit Anfang 2020 offensiv an Unternehmen und Multiplikatoren heran. „Als junges Fintech kennen wir die Herausforderungen, vor denen stark wachsende Firmen der Digitalökonomie stehen, sehr genau. Deshalb haben wir unsere Lösung für deren Growth Financing optimiert und bieten einen unkomplizierten und auf den jeweiligen Bedarf anpassbaren Ansatz“, so Weinkauf weiter. Das Analyseteam schaut sich dazu das Geschäftsmodell und die Unternehmenskennzahlen des jeweiligen Scale-ups genau an. Da man mit maschinenlesbaren Daten, KI-Unterstützung und einem multidimensionalen Risikomodell arbeitet, ist der Prozess effizient und die Analyse stichhaltig. Worauf schaut das Team dabei genau? „Wichtig ist, dass ein wachsendes Unternehmen einen Proof of Concept erbringt, sein Geschäftsmodell also tatsächlich rentabel ist. Zudem sollte es bereits eine Series-A-Finanzierung besitzen und damit einen Venture-Capital-Investor fest mit an Bord haben“, erklärt Weinkauf.

Wachstum und Erholung

Stimmt das Unternehmensprofil, kann creditshelf unterschiedliche Szenarien begleiten. Beispiel Buy-and-Build: Hier unterstützte das Fintech in der Vergangenheit einen Anbieter für Functional Food beim Kauf eines Herstellers, dessen Produkt im Onlineshop besonders gute Margen erzielte. Auch bilanziellen Finanzierungsbedarf, etwa wenn der Warenbestand in Liquidität umgesetzt werden soll, oder strategisches Wachstum wie Personalausbau oder Investitionen in Forschung und Entwicklung kann creditshelf begleiten. Die Pipeline sei aktuell mit Projekten gut gefüllt, erklärt Weinkauf. Das zeigt, wie dringend solche Lösungen heute gefragt sind, um mögliches Wachstum auch umzusetzen. Insgesamt hat sich durch Corona viel gedreht und die Plattformökonomie weiter Fahrt aufgenommen. Sie ist damit auch ein wichtiges Element für die Erholung des Wirtschaftsstandortes. Da der traditionelle Finanzierungsmarkt jedoch stark risikobezogen ist und aufgrund von Struktur und Prozessen oft nicht flexibel und schnell reagieren kann, sollten alternative Lösungen im Growth Financing weiter ausgebaut werden.