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Nº10 | Sep 2020
17/18

MEINUNG HABEN, MEINUNG TEILEN

Fachexperten sprechen über brandaktuelle Themen aus der Finanzwelt

Alexandra Weck, Business Development, Financial Intermediaries Germany

Mit welchen Herausforderungen haben Frauen in der Finanz-Branche zu kämpfen?

Unter anderem mit den oft gleichen Fragen, die auf Frauen vs. Männer direkt abzielen. Wir sollten uns von einer geschlechterspezifischen Debatte mehr auf die Fähigkeiten der individuellen Persönlichkeiten und eine grundsätzliche Diversity in allen Aspekten konzentrieren. Ich glaube, Frauen netzwerken weniger häufig und intensiv als Männer, damit meine ich nicht nur innerhalb des gleichen Geschlechts, sondern generell. Bezogen auf die Finanzszene wird Netzwerk aus meiner Sicht wichtiger, eben weil die Szene die letzten Jahre sehr viel kleiner geworden ist und noch werden wird. 

Christoph Stresing, Geschäftsführer, Bundesverband Deutsche Startups

Welche Anregungen haben Sie, um Startups in 2021 finanziell noch besser zu unterstützen?

Auch für die Startup-Unterstützung gilt: Was vor der Krise richtig war, ist es jetzt erst recht. Wichtige Erfolgsfaktoren für Startups sind „Köpfe“ und „Kapital“. Um Talente zu binden und zu halten sollten die Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen grundlegend verbessert werden. Das schafft nicht nur mehr Teilhabe, sondern stärkt den Tech-Standort insgesamt. Zudem sollte der „Zukunftsfonds“, der darauf ausgerichtet ist, privates Kapital institutioneller Investoren für die Anlageklasse Venture Capital zu mobilisieren, auf den Weg gebracht werden.


Ulrike Barth, Redakteurin, FinanzBusiness

Wie wird die Finanzwelt 2021 aussehen?

Die Finanzwelt 2021 wird ein bisschen kleiner und ein ganzes Stück digitaler sein. Kleiner, weil wir jetzt schon einen anhaltenden Trend bei Banken in Deutschland zur Branchenkonsolidierung erkennen. Insgesamt treibt die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Dynamik zudem die Digitalisierung voran – in Banken, aber auch bei Fintechs, die als Disruptoren Innovationen stetig in den Bankensektor hineintragen. Corona beschleunigt beides: Konsolidierung und Digitalisierung – im positiven wie im negativen Sinne, wenn Geschäftsmodelle infolge sich rasch wandelnder Rahmenbedingungen auf dem Prüfstand stehen.

Erik Händeler, Spezialist für Zukunftsforschung und Konjunkturzyklen, freier Journalist und Buchautor

Warum wird der Wohlstand jetzt von den Menschen hinter der Technik abhängen?

Schon vor Corona war die Wirtschaft instabil. Der Virus löst nur eine Krise aus, die sowieso gekommen wäre. Denn längst haben Maschinen die materielle Arbeit übernommen und Computer/KI die strukturierte Wissensarbeit wie Robotersteuerung, Datenanalyse oder Autofahren. Was bleibt und wächst, ist die immaterielle Arbeit am Menschen und mit Wissen – zwischen Menschen. Das erzwingt Zusammenarbeit auf derselben Augenhöhe, Transparenz, Versöhnungsbereitschaft, Authentizität statt Statusorientierung, Kooperationsfähigkeit, langfristige Orientierung. Der Wohlstand hängt in Zukunft ab von den Menschen hinter der Technik, von ihrem Verhalten und ihren Wertvorstellungen.

Wolfgang Eck, Verantwortlicher Redakteur FLF/Wirtschaftsjournalist

Wieso sind Finanzdienstleister Teil der Lösung des Corona-Problems und nicht Teil des Problems?

Die Auswirkungen des Shutdowns und der Vorsichtsmaßnahmen bedrohen die Wirtschaft in einem nie gekannten Ausmaß. Auch wenn Finanzdienstleister selbst mit Einschränkungen, erhöhten Risiken und einer verschlechterten Situation der Kunden zu kämpfen haben, kommt ihnen bei der Krisenbewältigung eine besondere Rolle zu. Vertrauen, schnelle Hilfe und Unterstützung über das normale Maß hinaus machen die Branche zum wichtigen Lösungsbaustein. Wer zuvor allerdings kein stimmiges Geschäftsmodell hatte und digital schlecht aufgestellt war, der wird eher Teil des Problems sein.