creditshelf magazin
Nº11 | Nov 2020
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MEINUNG HABEN, MEINUNG TEILEN

Fachexperten sprechen über brandaktuelle Themen aus der Finanzwelt

Alexander Heftrich, Chefredakteur, INTELLIGENT INVESTORS

Welche Herausforderungen haben institutionelle Investoren in 2021?

Institutionelle Investoren, die traditionell eher restriktiv und anleihenlastig positioniert sind, sehen sich mannigfaltigen Herausforderungen gegenüber. Einerseits müssen sie aus Renditegründen mehr ins Risiko gehen, andererseits befürchten sie, dass die Wertentwicklung ihrer Portfolien im Jahr 2021 durch Faktoren wie das langsamere globale Wachstum und die erhöhte Volatilität an den Kapitalmärkten geschmälert werden könnte. Unabhängig davon werden Sachwerte und Alternative Investments (Private Equity und Private Debt) verstärkt in den Fokus rücken.

Erik Möbus, Redakteur, Finanztrends GmbH & Co. KG

Die Corona-Krise hat auch die Digitalisierung der Banken vorangetrieben. Wie ist diese Entwicklung zu deuten?

Die Krise hat die Digitalisierung einiger Prozesse extrem befeuert. Allgemein ist eine starke Dezentralisierung der Abläufe zu erkennen, denn auch bei den Banken spielt das Thema Home-Office eine wichtige Rolle. Die Geschäftsabläufe müssen trotz der Pandemie reibungslos fortgesetzt werden. Diese werden durch die Digitalisierung sogar verbessert, auch in der Geschwindigkeit. FinTech-Unternehmen sind z. B. ein Treiber der Kredit-Digitalisierung, staatliche Banken haben hier noch einiges aufzuholen!

Franziska Teubert, Geschäftsführerin, Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Warum brauchen wir mehr Female Founders in Deutschland?

Mit knapp 16 Prozent ist der Gründerinnen-Anteil in Deutschland nach wie vor gering. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben persönliche, wie auch strukturelle Ursachen. Dazu gehören beispielweise der Zugang zu Kapital, die persönliche Risikobereitschaft oder auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit mehr Frauen gründen, müssen wir viele Themen anpacken. Dabei zeigen Studien, dass gemischte Führungsteams langfristig erfolgreicher sind: Sie erwirtschaften im Vergleich zu reinen Männerteams signifikant mehr Umsatz und einen höheren Return on Investment. Es lohnt sich also, in Frauen zu investieren.

Lenard von Stockhausen, Chefredakteur, finanzwelt

Was bewegt die Finanzwelt in 2021?

COVID-19 hat das Land fest im Klammergriff. Der Lockdown ist beschlossene Sache und wird einen Riesen-Impact auf Kultur, Tourismus, Veranstaltung und Gastronomie haben. Die Finanz- und Versicherungsbranche wird Probleme wie Niedrigzins, Betriebsausfall und Rezession bewältigen müssen. Neue Konzepte sind gefragt. Weg von Festzins und Aktien, hin zu Sachwerten und alternativen Investments. Ein Mega-Trend für 2021 wird ESG sein. Nachhaltigkeit bei Investments, Immobilien und Versicherungen muss dem Kunden alternativ angeboten werden. Das ist nicht nur gut für das grüne Gewissen, sondern auch wegen der meist besseren Performance eine echte Alternative.

Leonhard Reetz, Geschäftsführer, RH Reputation GmbH

Welchen Einfluss üben die digitalen Medien auf das Reputationsmanagement von Unternehmen aus?

Digitale Medien haben eine überragende Bedeutung für die Reputation von Unternehmen, weil Konsumenten stets und ständig mit Hilfe von Smartphones, Tablets und Desktops Informationen in Echtzeit suchen, finden und konsumieren. Heutzutage wird die Meinungsbildung über Unternehmen, Produkte und Themen maßgeblich durch die großen Digitalunternehmen Google, Facebook und Co. gesteuert. Negative Nachrichten, Kommentare oder Shit Storms im Netz können schnell zu Umsatzeinbrüchen und Reputationsschäden führen. Die gute Nachricht ist: Jeder hat die Möglichkeit, auf sein Image im Internet Einfluss zu nehmen!