creditshelf magazin
Nº12 | April 2021
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Die Liebe zum guten Klang

„Wir hatten damals einen steinigen Weg zu gehen und das Team aus Frankfurt hat uns geholfen, schnell ein Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen, wogegen die Banken eher zugeknöpft waren."

  Marcel Faller  
Geschäftsführer, 
sonoro audio GmbH

„sonoro war 2015 der erste Kunde für unser junges Fintech – und auch einer meiner ersten Kontakte. Das Unternehmen war damals gerade dabei, sich neu aufzustellen und auszurichten." 

  Richard Heller  
Regionalleiter West, creditshelf AG

sonoro-Gründer Marcell Faller hatte schon immer Unternehmerblut in sich: „Das hat mit den gehandelten Duplos in der Grundschule begonnen und ging über die internationalen Telefondienste, die ich als Gaststudent in den USA an meine Mitstudierenden verkauft habe“, bekennt er mit einem Lächeln und erzählt weiter: „Ich habe es immer genossen, mit anderen in direktem Austausch zu sein und mit ihnen meine Ideen und Visionen in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Freiheit, die man als Unternehmer hat, war ein treibender Faktor hinter der Gründung von sonoro audio 2006.“ Der zweite Impuls sei die Liebe zur Musik gewesen und der Wunsch, Menschen damit zu begeistern. 

Nach seinem Master of Business kam Faller nach Deutschland zurück und arbeitete zunächst für zwei Technologieunternehmen. Dabei war er auch als Produktmanager im Bereich Audio tätig, was letztendlich den finalen Funken für sein eigenes Projekt gab: „Ich habe einfach gemerkt: Da geht noch mehr. Ich wollte das perfekte Audiosystem entwickeln.“ Herausgekommen ist dabei „Cubo“, ein kompakter Klangwürfel, den Faller liebevoll seinen „Erstgeborenen“ nennt – das erste Produkt seines neuen Unternehmens. 


Heute ist sonoro ein Anbieter mit einem kleinen, schlagkräftigen Team, der High-end-Audiogeräte für eine qualitätsbewusste Zielgruppe entwickelt. Die Produkte tragen wohlklingende Namen wie „Maestro“ oder „Meisterstück“. Die Belegschaft umfasst knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, hinzu kommen 15 Handelsvertreter. Der Kern des Unternehmens liegt in Neuss, es gibt aber auch kleinere Teams in anderen europäischen Ländern und in Fernost. „Unser Slogan ist: ‚sonoro macht glücklich – 360 Grad‘“, sagt Faller und meint damit nicht nur den Raumklang und das Design seiner Produkte: „Es geht dabei auch um die Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern – unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für mich wie eine Familie sind, unseren Händlern, Gesellschaftern, Logistikern und auch unseren Finanzierungspartnern.“ Für ihn seien deshalb Teamwork, Ehrlichkeit und Transparenz unabdingbar. Der Gründer möchte ein Unternehmen erschaffen, mit dem es Freude mache, zusammenzuarbeiten. Faller bekennt sich auch klar zum Fachhandel. „Natürlich finden wir im Internet statt, doch wir möchten unseren Kundinnen und Kunden auch das Erlebnis des Ausprobierens und Kennenlernens bieten. Deshalb sind wir mittlerweile bundesweit bei über 700 Händlern vertreten. 

Raumwelten und Problemlösungen 

Die Kunden von sonoro sind Musikliebhaber und -liebhaberinnen, meist jenseits der Dreißig, die auf der Suche nach gutem Klang und Design gepaart mit hoher Benutzerfreundlichkeit sind. „Unsere Zielgruppe kennt, schätzt und genießt Musik oft schon 40, 50 Jahre. Sie möchte also auch ihre gewohnten und zuverlässigen Medien nutzen“, sagt Faller. Das Ziel in der Produktentwicklung ist daher, eine Brücke zwischen neuen und lange bewährten Technologien zu schlagen. sonoro-Geräte bieten beide Welten: Streaming und Internetradio sowie die Steuerung per App, aber eben auch ein Fach für die CD und Bedienmöglichkeiten direkt am Gerät. 

Die sonoro-Design-Philosophie geht aber noch ein ganzes Stück weiter. In Neuss möchte man nicht nur Audiogeräte entwickeln – das Ziel sind Raumwelten. Faller und sein Team arbeiten hier nach der sogenannten engpasskonzentrierten Strategie Wolfgang Mewes‘. Im Klartext: Die Experten betrachten jeden Raum eines typischen Zuhauses und prüfen, welche Hindernisse und Herausforderungen die Kunden hier haben. Daraus werden dann Lösungen entwickelt: Etwa eine wasserdichte Fernbedienung für ein Badezimmersystem, das damit auch aus der Dusche bedient werden kann. Oder: vorprogrammierte Meditationen im Gerät für den Nachttisch, das so auf Knopfdruck beim Einschlafen hilft. Worauf die Klangprofis aus Neuss besonders stolz sind: Ihre Produkte treffen den „Taste of the women“ und sind durch ihr Design und ihre Verarbeitung oft wichtiger Bestandteil der Inneneinrichtung. 


Ein beschwerlicher Weg ans Ziel 

Die Entscheidung für das höhere Qualitätssegment war für sonoro ein wichtiges Lehrstück. Die Lektion: Strategie und Bauchgefühl sind zwei verschiedene Dinge. „Wir hatten einen guten Start und haben uns dann auf den Apple-kompatiblen Massenmarkt gestürzt. Haben dabei aber nicht mit dem starken Wettbewerb und den teils ruinösen Preiswettkämpfen gerechnet. Die Entscheidung für das High-end-Audio war trotz anfänglicher Bedenken daher ein wichtiger Meilenstein und der richtige Schritt für uns. Mittlerweile wissen wir, dass die Menschen schöne Produkte mit erstklassigem Klang wollen“, sagt Faller. Dass diese Strategie aufgeht, zeigt nicht nur die positive Rezeption in der Fachwelt – zuletzt gab es für die Geräte „Meisterstück“ und „Maestro“ den Red Dot Award 2020 in der Kategorie Audio. Auch die Zahlen sprechen diese Sprache: „Wir sind in den letzten 12 Monaten um 70 Prozent gewachsen. Diesen Weg wollen wir weitergehen, was uns allerdings vor einige Herausforderungen stellt. Durch Corona hat es eine enorme Disruption in den Lieferketten gegeben, der globale Handel hat gelitten und die Preise für Frachtcontainer betragen momentan das Drei- bis Vierfache des normalen Preises. Als kleines Unternehmen stehen wir beim weltweiten Kampf um Bauteile und Komponenten da nicht unbedingt vorne an“, sagt der Geschäftsführer. Es gehe derzeit vor allem darum, die Bestellmengen dennoch zu erhöhen und die Liefertermine einzuhalten. Da helfe nur eine transparente Kommunikation und gemeinsame Strategie mit den Lieferanten und Finanzierungspartnern. 


Die Herausforderungen des Saisongeschäfts 

Manche Unwägbarkeiten werden bleiben: Wie entwickeln sich die Märkte und die Heimaudio-Nachfrage nach Corona, wenn die Menschen wieder mehr Reisen, ins Kino oder ins Restaurant gehen? Schwankungen, Veränderungen und Unsicherheiten sind für sonoro als Anbieter mit einem starken Saisongeschäft allerdings keine Unbekannten. Regelmäßig müssen die Ups and Downs des Jahres abgefangen werden, es braucht Vorfinanzierungen für das Weihnachtsgeschäft, Flauten müssen ausgeglichen werden. Traditionelle Bankpartner tun sich bei solchen Anlässen manchmal schwer oder haben zu lange Bearbeitungszeiten. Bei der Suche nach Alternativen stießen Faller und sein Team vor einigen Jahren auf creditshelf.

Klangexperte trifft Fintech 

„sonoro war 2015 der erste Kunde für unser junges Fintech – und auch einer meiner ersten Kontakte. Das Unternehmen war damals gerade dabei, sich neu aufzustellen und auszurichten. In dieser anspruchsvollen Situation habe ich Herrn Faller als pragmatischen, offenen und ehrlichen Kämpfer kennengelernt“, sagt Richard Heller, Regionalleiter West bei creditshelf. Gemeinsam entwickelten die jungen Unternehmen eine Lösung und legten damit den Grundstein für eine langjährige Partnerschaft. Diese umfasst kurzfristige saisonale Finanzierungen sowie Kredite mit mittelfristigen Laufzeiten – in der Regel um die 400.000 Euro. Insgesamt sieben Mal hat sonoro über creditshelf finanziert. Die Gesamtsumme der arrangierten Engagements liegt bei circa zwei Millionen Euro. Beherrschende Themen waren dabei stets die Vorfinanzierung von Produkten, der Wareneinkauf und das starke Saisongeschäft. „Wir hatten damals einen steinigen Weg zu gehen und das Team aus Frankfurt hat uns geholfen, schnell ein Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen, wogegen die Banken eher zugeknöpft waren. Ich habe bei Fragen immer quasi eine ‚Hotline‘ zu Herrn Heller gehabt“, sagt Marcell Faller. Die Fintech-Kredite seien neben klassischen Kreditlinien und längerfristigen Bankdarlehen, KfW-Kredit sowie Factoring ein wichtiger Bestandteil in seinem Finanzierungsmix.


Bereit für die Zukunft 

„sonoro ist stark gewachsen und wir waren die ganze Zeit nah am Unternehmen dran. Dadurch haben wir eine feste Vertrauensbasis und eine gemeinsame Historie. Natürlich prüfen wir trotzdem jedes Engagement genau: Bedarf, Auftragssituation, Geldeingang, Geschäftsaussichten, Cashflow und Ähnliches. Aber wir haben eine eingespielte und schnelle Routine mit Herrn Faller und können jederzeit reagieren“, so Richard Heller. Der sonoro-Gründer schätzt die Freiheiten, die der Online-Finanzierer seinem Unternehmen bietet: „Fintechs wie creditshelf haben eine andere Denk- und Herangehensweise. Natürlich wird auch hier Risikomanagement betrieben, aber man denkt businessmäßiger. Das Team schaut sich mein Unternehmen genau an und versucht das Geschäftsmodell besser zu verstehen. Außerdem ist die Feedbackrunde kürzer, der Finanzierungsprozess damit schneller und unkomplizierter. Das ist entscheidend, wenn wir schnell Liquidität benötigen.“ 

Für die Zukunft hat man sich in Neuss viel vorgenommen. Demnächst kommt mit „Oskar“ eine weitere Lösung auf den Markt. Der smarte, mobile Verstärker für den Fernseher soll Menschen mit Hörschwierigkeiten wieder ein klares Klangerlebnis bieten. Zudem steht 2022 eine neue Designlinie an. Das langfristige Ziel heißt jedoch Internationalität: „Derzeit spielen wir in der oberen zweiten Liga – wir sind in der DACH-Region und in der Benelux-Union schon gut aufgestellt. Wir wollen aber in die Champions-League aufsteigen und zur beliebteste Audiomarke Europas werden“, erklärt Faller. Auf diesem Weg stehen Partner wie Richard Heller und das creditshelf-Team den Klangexperten gern zur Seite.